Tierversuche: Hintergrundinfos

Was heute an Millionen Versuchstieren geschieht, muss verboten werden, weil es mit der Selbstachtung einer menschlichen Rechtsgemeinschaft nicht vereinbar ist. Die absichtsvolle Verwandlung eines solchen Lebens in ein Bündel von Leiden und stummer Verzweiflung ist ein Verbrechen. Was sollte eigentlich sonst ein Verbrechen sein?

— Robert Spaemann, deutscher Philosoph —

Zahlen und Fakten über Tierversuche

  • 100–300 Millionen Tiere werden weltweit pro Jahr in Tierversuchen verbraucht. Aufgrund enger gesetzlicher Definitionen erscheinen viele für Tierversuche getötete Tiere nicht in der Statistik: Es werden enorme Überschussmengen an Tieren gezüchtet, die nie in den Versuch kommen, jedoch trotzdem getötet werden (bei Mäusen ca. 81%, bei Ratten ca. 83% »Überschuss«).1
  • In der EU werden pro Jahr ca. 12 Millionen Tiere verbraucht,2 in Deutschland ca. 3 Millionen pro Jahr.3
  • Im Saarland wurden im Jahr  2009 19.511 Tierversuche durchgeführt, im Jahr 2010 22.435 Tierversuche – eine Steigerung um 15%. Im Jahr 2011 wurden 26.951 Tierversuche durchgeführt, was eine Steigerung um 20% im Vergleich zum Jahr 2010 bedeutet.
  • Wirbellose Tiere wie Insekten, Schnecken und Krebse werden nicht gezählt und sind in den Statistiken nicht enthalten.4
  • Der Anteil der Tiere, die nicht die für die Versuche gewünschte genetische Veränderung aufweisen, wird auf 90–99 % geschätzt. Diese Tiere werden getötet und tauchen nicht in den Statistiken auf. #Quelle?
  • 35% der Versuchstiere werden in der Grundlagenforschung (#verlinken) verbraucht. (#Anzahl aufgrund der Verwendung von Gentechnik stark steigend. was bedeutet das?)
  • 17% der Versuchstiere werden für die Entwicklung und Erforschung von Arzneimitteln verwendet.
  • 6%  der Versuchstiere werden für Giftigkeitstests eingesetzt.
  • 60.000 Tiere (davon 15.000 Wirbeltiere) sterben in Deutschland pro Jahr im Rahmen des Studiums der Humanmedizin, Veterinärmedizin und Biologie.5 An den meisten Hochschulen in Deutschland sind Tierversuche Pflicht, vor allem im Studium der Biologie und der Humanmedizin.6
  • 92% der im Tierversuch als wirksam und sicher befundenen Medikamente kommen nicht durch die klinische Prüfung.7 Von den 8% zugelassenen Wirkstoffen werden ca. 50% später wieder vom Markt genommen, weil sich schwerwiegende oder sogar tödliche Nebenwirkungen beim Menschen zeigen.
  • Die Bundesregierung fördert die Entwicklung von Alternativverfahren mit 4 Mio. Euro pro Jahr; ca. 4 Mrd. Euro werden für die Deutsche Forschungsgemeinschaft und für Max-Planck-Institute bereitgestellt, die in großem Stil Tierversuche durchführen und finanzieren.8 #Welcher Teil davon geht für Tierversuche drauf?
  • Xenotransplantation:  Pharmaindustrie erwartet Umsatzvolumen von 5 Mrd. Euro pro Jahr.
  • 30.000 Alt-Chemikalien (die vor 1981 auf den Markt kamen) werden nach EU-Vorgaben (REACH) in den nächsten Jahren auf ihre Toxizität im Tierversuch getestet.  Man rechnet mit ca. 8 bis 54 Millionen Tieren, die bis 2018 für REACH leiden und sterben werden.

In folgenden Bereichen werden Tierversuche durchgeführt:

Tierversuche spielen in der Arzneimittelforschung, der chemischen Industrie, in der Kosmetik-Industrie, der Grundlagenforschung, im Medizin- und Biologiestudium eine Rolle:
Fast alles, was einmal in Berührung mit Menschen kommen soll, wird in Tierversuchen getestet – nicht nur neue Wirkstoffe für Medikamente und Impfstoffe, sondern auch Wasch- und Putzmittel, Kosmetikprodukte, Chemikalien und Krankheitserreger. Bei allen diesen Stoffen wird geprüft, wie sie sich hinsichtlich »Giftigkeit (Toxizität), Schädigung der Frucht im Mutterleib (Teratogenität), Erbgutschädigung (Mutagenität), Krebserzeugung (Kanzerogenität)«9 auf Tiere auswirken. Auch beispielsweise für die Diagnose von Krankheiten werden Tierversuche durchgeführt.
Grundlagenforschung wird zum einen aus Neugier und ohne einen konkreten Nutzen betrieben, zum anderen zur Erforschung menschlicher Krankheiten. Für beides werden Tierversuche durchgeführt – bei der Erforschung von Krankheiten werden bei den Versuchstieren Symptome künstlich erzeugt, beispielsweise wird ein Schlaganfall simuliert, indem bei den Tieren die Blutzufuhr zum Gehirn absichtlich unterbrochen wird.
An den meisten deutschen Hochschulen ist die Durchführung von Tierversuchen oder das Sezieren von getöteten Tieren für Studenten der Biologie, der Human- und Tiermedizin Pflicht. Hierbei sollen theoretische Inhalte nur veranschaulicht werden.

Bedeutung für die Tiere

Tierexperimentatoren behaupten oft, die Tiere würden in den Versuchen nicht mehr leiden als ein Mensch bei einer Blutentnahme. Es ist längst bewiesen, dass Tiere wie Menschen auch Angst und Schmerzen empfinden. Schon aus den wenigen hier beschriebenen Versuchen wird klar: Tierversuche sind alles andere als harmlos – sie fügen den Tieren die grausamsten Dinge zu, die Menschen sich je ausdenken können: »Versuchstiere werden vergiftet, verätzt, verstümmelt, bei ihnen werden Infektionen, Entzündungen, Anfälle oder Krebs erzeugt, ihnen werden Elektroden in das Gehirn gesteckt, die Knochen gebrochen, die Augen vernäht, Organe entfernt und wieder eingepflanzt […].«10

Tierversuche bedeuten für die Tiere Angst, Schmerzen und Tod. Sie werden oftmals über Tage, Monate oder Jahre hinweg gequält und am Ende getötet. Viele von ihnen – beispielsweise Makaken aus Mauritius – werden aus ihrem natürlichen Lebensraum gerissen, von ihrem Familienverband und ihrem sozialen Umfeld getrennt, um in Versuchslaboren auf der ganzen Welt für Experimente herzuhalten. Weitaus mehr Versuchstiere werden in riesigen Versuchstierzuchten produziert, in Massen und auf Vorrat.11 Sie werden ihr Leben lang in kleinen, sterilen Käfigen gehalten, aus denen sie nur für die Versuche herausgeholt werden.

Versuchsberichte aus aller Welt finden Sie in der Datenbank Tierversuche. Hier nur einige Beispiele dafür, was Tieren in Versuchslaboren angetan wird:

  • Hunden werden über von außen bedienbare Klemmen Herzarterien zugeschnürt, um ihnen einen Herzinfarkt zuzufügen. In anderen Versuchen werden Hunden Knochen und Zähne aus dem Kiefer gebrochen, um mit heilungsstörenden Substanzen zu experimentieren.
  • An Mäusen wird das »Schönheitsmittel« Botox getestet – Krämpfe, Lähmungen und Atemnot bedeuten einen tagelangen Todeskampf für die Mäuse, bis sie letztendlich ersticken.
  • Ratten werden in Plastikröhren gesteckt und zwei Stunden pro Tag mit Handystrahlung bestrahlt.
  • Durch das An- oder Abschalten bestimmter Gene – also durch die Veränderung des Erbgutes – werden Tiere gezüchtet, bei denen durch die genetische Veränderung Krankheiten wie beispielsweise Krebs, Diabetes oder Alzheimer ausbrechen, um an diesen Tieren dann Versuche durchzuführen (»Krebsmaus«, »Alzheimermaus«). 91–99% dieser transgenen Tiere zeigen allerdings nicht die gewünschten Symptome und werden daher getötet, weil sie für die Versuche unbrauchbar sind.12 Viele der gentechnisch veränderten Tiere sterben schon im Mutterleib oder werden mit Missbildungen geboren.
  • Schweinen werden schwere Unfallverletzungen zugefügt, um herauszufinden, in welcher Reihenfolge Körpersysteme ausfallen. Schweinen werden auch schwere Brandverletzungen zugefügt, damit Militärärzte an ihnen die Behandlung solcher Verletzungen üben. #Quelle?
  • Mäuse müssen in Stresstests schwimmen, bis sie erschöpft aufgeben und ertrinken. #Quelle?
  • 92 Beagles sind für die Entwicklung eines Pflanzenschutzmittels bei BASF gestorben.13
  • Tiere werden in den Weltraum geschossen, man testet ihr Verhalten in Zentrifugen, sie werden verbrannt, man bricht ihnen die Knochen, um Heilungsverläufe zu simulieren, man lässt sie im Stroboskoplicht aufwachsen, man operiert ihnen Sonden ins Gehirn, sie müssen Tabakrauch einatmen.

Teure Versuchstiere werden mehrfach verwendet: Nach einer Versuchsreihe und der anschließenden Erholungsphase werden sie Versuchstiere erneut für Tierversuche benutzt. #Beispiele?

Ein Beispiel aus dem Institut für Hirnforschung in Bremen: »Mit Schrauben und Zahnzement wird Rhesusaffen unter Narkose ein Kopfhalter und ein Metallzylinder mit 2 cm Durchmesser auf dem Schädel befestigt. Zur Aufzeichnung von Hirnströmen werden Elektroden durch den Zylinder direkt in das Gehirn geschoben. Für die Versuche wird der Kopf eines wachen Affen mit Hilfe des Halters fixiert, so dass das Tier den Kopf nicht mehr bewegen kann. Der Affe muss nun eine Aufgabe erledigen, die darin besteht einen Lichtpunkt auf einem Bildschirm mit den Augen zu fixieren und gleichzeitig einen Hebel zu drücken. Als »Belohnung« gibt es einen Tropfen Saft oder Wasser. Die Tiere werden vor dem Versuch dursten gelassen, um sie gefügig zu machen. Wenn der durstige Affe etwas falsch macht, erhält er keinen Flüssigkeitstropfen. Die Versuche werden meist über mehrere Jahre durchgeführt.«14

Schmerz- oder Betäubungsmittel werden bei Tierversuchen in den meisten Fällen nicht eingesetzt – aus der Reaktion der Tiere sollen die auftretenden Symptome abgeleitet und beurteilt werden.

Bedeutung für den Menschen

Zahlreiche Beispiele belegen: Ergebnisse von Tierversuchen sind nicht einfach auf den Menschen übertragbar. Anatomie, Physiologie und Stoffwechsel von Menschen und Tieren unterscheiden sich wesentlich voneinander. So wesentlich, dass von den Ergebnissen der Tierversuche nicht auf die Wirkung des getesteten Stoffes beim Menschen geschlossen werden kann. So behindern Tierversuche den Fortschritt, den sich manche Wissenschaftler durch sie erhoffen.

Wird ein Wirkstoff im Tierversuch als »sicher« bewertet, so kann es dennoch sein, dass er beim Menschen Nebenwirkungen hervorruft oder gar tödlich wirkt – so verhindern Tierversuche nicht, dass für Menschen gefährliche Wirkstoffe auf den Markt gelangen.
Wird ein Wirkstoff im Tierversuch als gefährlich oder sogar tödlich eingestuft, so kann es dennoch sein, dass er für Menschen nebenwirkungsfrei oder nebenwirkungsarm ist – so verhindern Tierversuche, dass wirkungsvolle Medikamente auf den Markt gelangen.
Die Ergebnisse der Tierversuche nutzen dem Menschen also nichts: In beiden Fällen bleibt auch nach den durchgeführten Tierversuchen die Frage offen, ob und wie ein Wirkstoff im menschlichen Organismus wirkt.
Das Ausmaß der Problematik wird durch folgende Zahlen deutlich: »92% der potentiellen Arzneimittel, die sich im Tierversuch als wirksam und sicher erwiesen haben, kommen nicht durch die klinische Prüfung, entweder wegen mangelnder Wirkung oder wegen unerwünschter Nebenwirkungen. Von den 8% der Wirkstoffe, die eine Zulassung erhalten, wird die Hälfte später wieder vom Markt genommen, weil sich beim Menschen weitere schwerwiegende, oft sogar tödliche Nebenwirkungen herausstellen.«15

Ein Medikament erhält (neben anderen Voraussetzungen) nur dann eine Zulassung, wenn es nach den durchgeführten Tierversuchen für sicher befunden wird. Trotzdem sterben in Deutschland pro Jahr etwa 58.000 Menschen an den Nebenwirkungen von Medikamenten.16
Es gibt eine Vielzahl von Medikamenten, die im Tierversuch für »sicher« befunden wurden, die jedoch bei Menschen schwerwiegende oder sogar tödliche Nebenwirkungen hervorrufen können. Prominente Beispiele sind Lipobay®, Vioxx®, Trasylol®, Acomplia® und TGN1412. Diese und viele andere Medikamente wurden wegen untragbarer Nebenwirkungen vom Markt genommen. Die zuvor durchgeführten Tierversuche haben die Gefährlichkeit der Medikamente für den Menschen nicht zutage gefördert.
Das wohl bekannteste Beispiel ist das Medikament Contergan mit dem Wirkstoff Thalidomid: Dieser wurde an Mäusen und Ratten getestet, für untoxisch befunden und in der Folge als Schlaf- und Beruhigungsmittel ohne größere Nebenwirkungen empfohlen. Frauen, die das »als sicher angepriesene Schlafmittel«17 in der Schwangerschaft eingenommen hatten, brachten Kinder mit schwersten Missbildungen zur Welt. So wurden etwa 5.000 bis 10.000 schwer contergan-geschädigte Kinder geboren, hinzu kommt eine unbekannte Zahl an Fehlgeburten.18 Erst im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass der Wirkstoff solch schwerwiegende Folgen hat. Die Tests an Mäusen und Ratten haben eine Schädigung von Menschen nicht verhindert – sie haben ihren Zweck damit völlig verfehlt.

Weitere Beispiele von Medikamenten mit schwerwiegenden Nebenwirkungen finden Sie in der Broschüre »Liste von Risikomedikamenten« der Ärzte gegen Tierversuche.

 

Weiterführende Links

Neue EU-Tierversuchsrichtlinie: http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2010:276:0033:0079:DE:PDF

Positivliste für Kosmetika, deren Inhaltsstoffe nicht an Tieren getestet wurden: http://www.tierschutzbund.de/information/service/publikationen/kosmetik-positivliste.html

http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/

http://www.peta.de/web/tierversuche.1919.html

http://www.tierrechte.de/themen/tierversuche

http://www.covancegrausam.de/

http://www.eceae.org/de

http://www.tierbefreier.de/tierversuche.html

http://www.buav.org/

http://datenbank-tierversuche.de/

 


  1. http://www.vgt.at/projekte/tierversuche/fakten.php 

  2. http://www.eceae.org/de/the-truth-about-animal-testing/eu-statistics 

  3. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/index.php?option=com_content&view=article&id=22:versuchstierstatistik-2006&catid=1:allgemein&Itemid=6 

  4. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/index.php?option=com_content&view=article&id=22:versuchstierstatistik-2006&catid=1:allgemein&Itemid=6 

  5. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/studium/120-umbringen-aufschneiden-wegwerfen-tierversuche-in-studium.html 

  6. http://www.satis-tierrechte.de/wp-content/uploads/2012/11/Satis-Uni-%C3%9Cbersicht-und-Ethik-Ranking.pdf 

  7. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/allgemein/248-warum-tierversuche-nicht-notwendig-sind.html 

  8. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/images/pdf/forschungsfoerderung.pdf 

  9. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/allgemein/101-tierversuche-fragen-und-antworten 

  10. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/allgemein/101-tierversuche-fragen-und-antworten 

  11. http://www.tierrechtsgruppe-zh.ch/?p=2013http://www.tierbefreier.de/nachrichten/05/versuchstierhandel.html 

  12. http://www.tierrechte-bw.de/index.php?option=com_content&view=article&id=711:20-jahre-krebsmaus-patent&catid=39:kritik-am-tierversuch&Itemid=57;
    http://www.mpg.de/1156818/alzheimer_gedaechtnis 

  13. http://www.tierbefreier.de/presse/p_mitteilungen/basf_02.html 

  14. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/allgemein/101-tierversuche-fragen-und-antworten 

  15. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/allgemein/248-warum-tierversuche-nicht-notwendig-sind.html 

  16. Schnurrer/Frölich: »Zur Häufigkeit und Vermeidbarkeit von tödlichen unerwünschten Arzneimittelwirkungen«. Der Internist 2003; 44, 889–895 

  17. http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/humanmedizin/150-liste-von-risikomedikamenten.html#Botulinumtoxin 

  18. http://de.wikipedia.org/wiki/Contergan-Skandal