Schweine: Hintergrundinfos

 Zahlen und Fakten

  • Ca. 48 Mio Schweine werden pro Jahr in Deutschland verzehrt.1
  • Pro Stunde werden in Deutschland 6.400 Schweine getötet. 2
  • Schweine sind klüger als Hunde.3
  • Ihre natürliche Lebenserwartung liegt bei ca. sechs bis neun Jahren, die männlichen Schweine werden jedoch schon im Alter von sechs Monaten getötet.
  • 0,65 qm Platz schreibt die Nutztierhaltungsverordnung für eine Zuchtsau vor, 1,3 qm sind es in der »Bio-Haltung«.4
  • Nur ca. 1% der Schweine in Deutschland leben in Freilandhaltung.5
  • Seit 1.1.2013 ist die zeitweilige Gruppenhaltung der Schweine geltende EU-Vorschrift, Deutschland hat diese Vorgabe nicht in geltendes Recht umgesetzt. Nach EU-Schätzungen verstoßen 30% der deutschen Schweinezuchtbetriebe gegen die Regelungen.6
  • 80% aller in der EU hergestellten Antibiotika gehen in die Tiermast.7
  • Die Investition von 1 Euro in Antibiotika bei der Schweinemast bringt einen Mehrertrag an Fleisch im Wert von bis zu 16 Euro.8

Bedeutung für die Tiere

Die Mär vom »dummen Schwein« ist längst widerlegt: Schweine haben ein Ich-Bewusstsein, sie sind klüger als Hunde, sie merken sich ihren Namen, sie bilden Familien.9
Und trotzdem verwehrt man den äußerst intelligenten Tieren in ihrem kurzen Leben alles, was ihr Dasein lebenswert macht: das Laufen auf der grünen Wiese, das Spielen mit Artgenossen, den Aufbau von Sozial- und Familienstrukturen, das Wühlen im Schlamm, das Genießen der Sonne, die Aufzucht ihrer Kinder, das Atmen frischer Luft – und nicht zuletzt das Recht auf einen würdigen Tod.
In der Realität vegetiert fast jedes Schwein auf einem Vollspaltenboden vor sich hin, sieht niemals die Sonne. Die Muttersau hat nur kurz Kontakt zu ihren Ferkeln, bevor sie getrennt werden und die Mutter erneut geschwängert wird; sie steht im verschmutzten Kastengitterstand, starrt den ganzen Tag die Betonwand an, unfähig sich auch nur umzudrehen; Kontakt zu anderen Tieren ist unmöglich. Das alles in gülle- und ammoniakgeschwängerter Luft in dunklen Ställen, deren künstliche Dämmerbeleuchtung präzise auf maximales Wachstum der Tiere programmiert ist. Alles ist einem einzigen Zweck untergeordnet: möglichst schnell und ohne große Verluste eine hohe Fleischmenge zu produzieren.

Die Enge in den Ställen führt zu sozialen Konflikten unter den Tieren. Um die Gefahr von gegenseitigen Verletzungen zu verkleinern, werden den Tieren sechs Tage nach der Geburt – ohne jegliche Betäubung – die Schwänze abgeschnitten und die Eckzähne abgeschliffen. Nur unter hoher Dosierung von Antibiotika ist der Verlust an Tieren bzw. die Ausbreitung von ansteckenden Krankheiten im Rahmen zu halten.
Um den unerwünschten »Ebergeruch« zu vermeiden, werden die männlichen Ferkel im Alter von maximal acht Tagen kastriert. Auch diese Prozedur erfolgt ohne Betäubung – dem Ferkel wird mit einem Schnitt der Zugang freigelegt, die Hoden werden aus dem Tier herausgerissen und ohne weitere Versorgung der Wunde wird das Tier mit seinen Schmerzen sich selbst überlassen.

Die Muttersauen werden als regelrechte Gebärmaschinen benutzt: Zeitgleich wird per Hormonspritze die Rausche herbeigeführt, um sie dann künstlich zu besamen. Für eine möglichst wirtschaftliche Nutzung in der Schweinemast wird auch die Geburt der Ferkel bei den Muttersauen gleichzeitig herbeigeführt. Der Muttersau soll eine Woche vor dem Abferkeltermin Stroh für einen Nestbau zur Verfügung gestellt werden. Die Realität sieht jedoch so aus, dass die im so genannten Abferkelkäfig weiterhin nur auf kahlem Beton liegen, unfähig, ihre Mutterinstinkte auch nur annähernd auszuleben.10 Nach etwa vier bis fünf Jahren sinkt die »Wurfleistung« der Muttersau und sie wird getötet.

Nicht zuletzt mutet man den zeitlebens missbrauchten Tieren einen qualvollen Tod zu. Schon ihre letzte Reise zur Schlachtstätte stellt für die sensiblen Tiere eine Tortur dar – zwar sind in der Regel innerstaatliche Transportzeiten von über acht Stunden verboten – allerdings bieten eine Menge von Ausnahmeregelungen die Möglichkeit, diese Vorgabe zu umgehen.11

Beim Ausladevorgang in den Wartebereich des Schlachthofes sehen die meisten Tiere das erste – und letzte Mal – in ihrem kurzen Leben die Sonne. Schweine werden heutzutage in Boxen mit Strom oder Gas betäubt. Die Betäubung mit der manuellen Elektrozange ist aufgrund der hohen Schlachtzahlvorgaben pro Stunde nicht mehr möglich. Die intelligenten Tiere leiden entsetzlich unter dem Betäubungsvorgang, wenn ein großer Metallschieber sie in eine kleine Box (ca. 18 qm) schiebt, die dann in einen mit Kohlendioxid gefüllten Bereich fährt. Die Reizung der Schleimhäute und Atemwege lässt die Tiere in Panik geraten. Bis zu 20 Sekunden dauert der Kampf der Tiere gegen ihre Bewusstlosigkeit. Viele Schweine erwachen im heißen Brühbad, das die Borsten entfernen und die Haut aufweichen soll. »Auf vielen Schlachthöfen, so die Vorwürfe der Experten, komme es vor, dass Schweine, die am Fließband hängen, versehentlich nicht oder nicht richtig abgestochen werden. Solche Tiere erwachen auf dem Weg ins Brühbad wieder aus der Betäubung. Jedes Jahr, so haben Untersuchungen ergeben, geraten etwa eine halbe Million Schweine lebend in die Brühanlagen. »Das sind furchtbare Schmerzen«, sagt Klaus Troeger vom Max Rubner-Institut, »das Schwein wird dabei lebendig mit heißem Dampf verbrüht.««12

Schweinen wird weder ein artgerechtes Leben noch ein natürlicher Tod zugestanden; vielmehr steht die Profitmaximierung auf Kosten der Tiere im Fokus des Umgangs mit Schweinen. Der Ruf nach strengeren gesetzlichen Regelungen ist genauso sinnlos wie unwirksam, weil zur Zeit nicht einmal die EU-Vorgaben in deutsches Recht umgesetzt werden.

Wir als Verbraucher können den entscheidenen Beitrag leisten, dass die Ausbeutung der Schweine zu Nahrungszwecken beendet wird, indem wir uns dafür entscheiden, uns tierfreundlich zu ernähren.

Bedeutung für den Menschen

Schweinefleisch ist noch viel mehr als Rindfleisch bekannt dafür, dass Rückstände von Medikamenten, hier vor allem verschiedene Antibiotika, in teilweise nennenswerter Konzentration auch vom Konsument aufgenommen werden. Beim Verbraucher besteht damit das Risiko der Resistenzenbildung.13 Der Einsatz dieser Medikamente ist aufgrund der hohen Besatzdichte in der Intensivtierhaltung – vor allem in der Schweinemast – erforderlich, um den Ausbruch von Krankheiten sowie Verletzungen zu kaschieren. Antibiotika im Futter sorgen dafür, dass die Tiere weniger essen und trotzdem schneller wachsen. Damit sind Medikamente ein Mittel der Wahl, um möglichst hohe Profite aus der Mast zu erzielen.14

Dass Schweinefleisch gesundheitsbelastend wirkt, ist mittlerweile bekannt. Besonders deutlich wird diese Tatsache beispielsweise in Teilen Afrikas oder auch bei Bevölkerungsstämmen im Himalayagebiet, wo islamisch orientierte Bevölkerungsgruppen neben »westlich« lebenden Stämmen leben.  Die Menschen, die kein Schweinefleisch essen, sind deutlich gesünder und arbeiten bis ins hohe Alter, während die schweinefleischkonsumierenden Bevölkerungsgruppen von den üblichen Krankheiten geplagt sind.15

Zudem haben mehrere Studien unabhängiger Institute bestätigt, dass der Konsum von Fleisch die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung beim Menschen deutlich erhöht.16 Auch eine Studie aus den USA an 121.000 Teilnehmern, die teilweise 28 Jahre lang an dem Monitoring teilgenommen haben, hat bestätigt, dass mit dem Konsum von Fleisch ein signifikanter Anstieg der Herzinfarkte sowie des Auftretens einer Krebserkrankung verbunden ist.17

Auswirkungen auf die Umwelt

Die Produktion tierischer Nahrungsmittel hat gravierende Auswirkungen auf die Umwelt. Im Zusammenhang mit der Schweinemast sind hier besonders die erhöhten Nitratwerte in Grund- und Trinkwasser zu nennen.


  1. https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/deutsche-essen-uber-12-milliarden-tiere-pro-jahr 

  2. https://www.peta.de/web/schweineinintensiv.502.html 

  3. https://www.vebu.de/tiere-a-ethik/tiere-und-tierhaltung/schweine?gclid=CKH3vcbPhrkCFaKWtAodD2UApQ 

  4. http://www.hs-bremen.de/internet/de/studium/stg/istab/lehrende/hbrunken/angewandte_zoologie/uebungen/tiere_essen/schweine/schweinemast/ 

  5. https://www.peta.de/web/schweineinintensiv.502.html 

  6. http://www.die-tierfreunde.de/aktivitaeten/aufgedeckt/recherchearchiv/557-schweinezucht-2013.html 

  7. http://www.hs-bremen.de/internet/de/studium/stg/istab/lehrende/hbrunken/angewandte_zoologie/uebungen/tiere_essen/schweine/antibiotika/ 

  8. http://www.hs-bremen.de/internet/de/studium/stg/istab/lehrende/hbrunken/angewandte_zoologie/uebungen/tiere_essen/schweine/antibiotika/ 

  9. http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/unterschaetztes-tier-schwein 

  10. http://www.die-tierfreunde.de/aktivitaeten/aufgedeckt/recherchearchiv/557-schweinezucht-2013.html 

  11. http://www.gesetze-im-internet.de/tierschtrv_2009/BJNR037500009.html 

  12. http://www.stern.de/politik/deutschland/tierschutz-in-deutschland-so-qualvoll-stirbt-schlachtvieh-1555518.html 

  13. http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/who-warnt-antibiotika-verlieren-wirksamkeit 

  14. http://www.hs-bremen.de/internet/de/studium/stg/istab/lehrende/hbrunken/angewandte_zoologie/uebungen/tiere_essen/schweine/antibiotika/ 

  15. http://www.gesundheitlicheaufklaerung.de/schweinefleisch-und-gesundheit 

  16. http://www.focus.de/gesundheit/ernaehrung/gesundessen/tid-13073/ernaehrung-kann-fleisch-krebs-ausloesen_aid_361547.html 

  17. http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/herzinfarkt-und-krebs-us-mediziner-warnen-vor-rotem-fleisch-a-836026.html