Hühner: Hintergrundinfos

Zahlen und Fakten

  • Ca. 614 Millionen Masthühner sind 2010 in deutschen Brutanlangen geschlüpft.1
  • 67 Millionen Masthühner sind ständig in deutscher Produktion.2
  • 11,4 kg Masthühnerfleisch verzehrt der Deutsche im Durchschnitt pro Jahr.
  • Ein Masthuhn lebt maximal sechs Wochen, meist wird es im Alter von 33 Tagen getötet. Die natürliche Lebenserwartung eines Huhns liegt bei sieben bis zehn Jahren.3
  • Die Besatzdichte in Mastanlagen beträgt bis zu 28 Hühner pro m2.4 Einem Huhn steht eine Fläche von etwas mehr als einem DIN A5-Blatt zur Verfügung.
  • Ca. 30 Millionen Masthühner pro Jahr sterben in Deutschland schon während der Mast an ihren Krankheiten, vorwiegend hervorgerufen durch die Überzüchtung auf überdimensionale Brust- und Schenkelmuskel.5

Bedeutung für die Tiere

Hühner verbringen unter natürlichen Bedingungen ihr Leben mit intensiver Futtersuche, mit Sonnen- und Sandbädern, mit der Pflege des Gefieders und der Aufzucht der Jungen. Zum Schlafen bevorzugen sie hochgelegene Plätze. All dies ist bei der industriellen Mast nicht möglich; natürliches Verhalten wird durch die Bedingungen in den Mastanlagen völlig unterdrückt. Das kurze Leben eines Masthuhns ist einzig geprägt durch qualvolle Enge, schwerwiegende Krankheiten und starke Schmerzen.

Die Besatzdichte reicht bis zu etlichen Zehntausend Tieren pro Stall. Vor dem Neubesatz des Stalls wird eine dünne Einstreu auf den Boden gebracht, die jedoch nach kurzer Zeit völlig verschmutzt ist. Jedes Masthuhn produziert während seiner sechswöchigen Lebenszeit etwa 3 kg Kot, der sich auf dem Boden sammelt und erst entfernt wird, wenn die Tiere aus dem Stall zum Schlachthof gebracht werden und der Stall für den nächsten Mastdurchgang mit neuen Tieren besetzt wird. Sein ganzes Leben lang sitzt und liegt ein Masthuhn auf einer immer dicker werdenden Schicht aus Kot und Urin. Zwischenzeitliches Ausmisten und Streuwechseln wäre ein zu großer Kostenfaktor.

Die profitorientierte Zucht hat Masthybriden hervorgebracht, die kompromisslos schnelles Wachstum der begehrten Brust- und Beinmuskeln garantieren. Ca. 6,5% beträgt die Gewichtszunahme pro Tag. Vor allem das Knochenwachstum, aber auch das Herz-Kreislauf-System der Tiere kann mit dem rasanten Wachstum des Muskelfleisches nicht mithalten. Die Folgen sind Knochenbrüche, ausgekugelte Gelenke und erhebliche Kreislaufprobleme.

Die Albert-Schweitzer-Stiftung hat einige systembedingte Krankheiten der Masthühner zuammengestellt.6 Obwohl Masthühner in der Intensivmast nur wenige Wochen alt werden, leiden die Tiere an schwerwiegenden, teils äußerst schmerzhaften Krankheiten. Besonders häufig sind:

  • »Herz-Kreislauf-Versagen
  • Fettleber/Nieren-Syndrome
  • Abgleiten der Achillessehne vom Sprunggelenk
  • Wirbelsäulenverkrümmungen
  • Abnormales Knorpelwachstum, Knochenmarkentzündungen
  • Muskelkrankheiten
  • Brustblasen (Ansammlungen von Lymphflüssigkeit in einem Hautsack)
  • Verätzungen an den Fußballen
  • Gestörte Knochenentwicklung der Beine (Beinschwächesyndrom)«

Nur mit massivem Antibiotika-Einsatz ist die Sterberate in der Hühnermast relativ gering zu halten. In so gut wie allen Betrieben werden systematisch Antibiotika verabreicht, teilweise bis zu acht verschiedene Wirkstoffe in einer Mastperiode.7 In einer Studie des Verbraucherschutzministeriums Nordrhein-Westfalen wurde festgestellt, dass 96,4% aller untersuchten Tiere mit Antibiotika behandelt wurden; die allermeisten Tiere bekamen während der 38-tägigen Mast mindestens eine Woche lang Antibiotika.8 Mit der Verabreichung der Medikamente sollen zum einen Epidemien verhindert werden, die durch die hohe Besatzdichte, den schlechten Gesundheitszustand der Tiere und durch ihre genetische Ähnlichkeit nur allzu leicht um sich greifen würden; zum anderen sollen möglichst viele der an den oben genannten Krankheiten leidenden Tiere die Mast überstehen, damit ihr Fleisch für den menschlichen Verzehr verkauft weden kann. Kranke Tiere in einem Bestand werden oft ihrem Schicksal überlassen und sterben langsam zwischen ihren Artgenossen – die Überreste werden beim Besatzwechsel mit ausgemistet. Bis zu 5% der Tiere sterben während der Mast; bei einer Mastanlage mit 50.000 Tieren sind das bis zu 2.500 sterbende Tiere während eines sechswöchtigen Mastdurchgangs.

Der Tierarzt Dr. Hermann Focke, Spezialist auf dem Gebiet der Hühnermast, hat die Lebensbedingungen der Tiere folgendermaßen zusammengefasst:
»Das heißt in der Praxis, dass die Masthühner in riesigen Hallen mit bis zu 40.000 Tieren und einer Besatzdichte von 24 und mehr Tieren pro m2 eingepfercht sind. Dies bedeutet, dass den einzelnen Tieren besonders am Ende der Mast  ein derart geringes Platzangebot zur Verfügung steht, dass das Bewegungsbedürfnis der Masthühner weitgehend aufgehoben wird. Da diese zunehmend auf den eigenen Exkrementen positioniert sind, kommt es besonders in der zweiten Hälfte eines jeden Mastdurchganges in einem hohen Prozentsatz auf Grund des oft feuchten Untergrunds zu so genannten Sohlenballenentzündungen bis hin zu Verätzungen, die bei den Tieren zu lang anhaltenden Schmerzen führen. Auf Grund der Züchtung auf hohe Mastleistung entwickelt sich beim Heranwachsen der Tiere ein Missverhältnis zwischen den täglichen Zunahmen am Muskelfleischanteil und einer nicht entsprechenden Stabilisierung des juvenilen Skeletts. Auf Grund dessen und der auf ein Minimum eingeschränkten Bewegungsbeeinträchtigung kommt es häufig zu Beinschäden, was dazu führt, dass die Masthühner auf dem meist durchfeuchteten Untergrund liegen, was wiederum bei zahlreichen Tieren zu stark schmerzhaften Entzündungen im Bereich der Brustmuskulatur führt, den so genannten Brustblasen. In der intensiven agrarindustriellen Geflügelmast haben wir es besonders bei Masthühnern und Puten mit Zuchtprodukten zu tun, die von Dr. Sabine Petermann vom niedersächsischen Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) bereits seit 2005 in entsprechenden Gutachten und wissenschaftlichen Veröffentlichungen folgender Maßen beschrieben und beurteilt worden sind: Ich zitiere inhaltsgemäß: ›Es handelt sich um Kreaturen mit dem Skelett eines Babys und mit dem Gewicht eines Sumu-Ringers.‹«9

Die Betäubung der Tiere vor dem eigentlichen Schlachtvorgang wird entweder durch ein Kohlendioxid-Gasgemisch oder durch das Eintauchen des Kopfes in ein Elektrowasserbad vorgenommen. Erstickungsgefühle und -ängste sowie eine schmerzhafte Reizung der Schleimhäute sind während dem ca. einminütigen Kampf gegen die Bewusstlosigkeit im Gas eine große Belastung für die Tiere. Bei bei der Betäubung im Wasserbad besteht die Gefahr, dass der Kopf nicht wie geplant eintaucht und die Tiere unbetäubt in den Halsschnittautomaten befördert werden, der ihnen die Kehle bei vollem Bewusstsein durchschneidet.

 Bedeutung für den Menschen

In der EU wird weit mehr Hühnerfleisch erzeugt als verbraucht wird. Diese Überproduktion wird durch eine konsequente Subventionspolitik angekurbelt. So können deutsche und europäische Produzenten das Fleisch – oft »Hühnerreste«, die hier nicht gegessen werden wollen – zu Dumpingpreisen in andere Länder exportieren. Solche Exporte gehen vor allem nach Afrika, wo die europäischen Hühnerteile zu Billigpreisen auf lokalen Märkten verkauft werden. Die örtlichen Kleinbauern, die mit einer kleinen Hühnerzucht etwas Geld verdienen wollen, können mit den europäischen Niedrigpreisen nicht mithalten und können ihre Ware nicht verkaufen. Die europäische Subventionspolitik treibt damit Kleinbauern mitsamt ihren Familien in Hunger und Armut.10

Der massive Einsatz von Antibiotika begünstigt die Bildung antibiotikaresistenter Keime. Diese Keime gelangen durch das Fleisch in die menschliche Nahrungskette: Laut einer Studie des BUND ist die Hälfte des Hühnerfleischs aus deutschen Supermärkten mit solchen antibiotikaresistenten Keimen belastet.11 Laut Europäischem Parlament beläuft sich die Zahl der Toten in der EU durch Infektionen, die durch antibiotikaresistente Keime hervorgerufen werden auf 25.000 pro Jahr12

Darüberhinaus trägt die Hühnerfleischproduktion – genauso wie jede andere Erzeugung tierischer Produkte – zu steigenden Getreidepreisen und damit zur weiteren Zunahme der Hungernden vor allem auf der Südhalbkugel bei. Zur Erzeugung von 1,2 kg Hühnerfleisch ist der Einsatz von ca. 3,5 kg Getreide notwendig.13 Diese Verschwendung von Getreide führt zu einem weltweit höheren Bedarf und damit zu einer Explosion der Getreidepreise, was einen relevanten Faktor der weltweiten Nahrungsmittelkrise darstellt.

Auswirkungen auf die Umwelt

Wie bei allen Arten der Fleischerzeugung sind mit der Hühnermast gravierende Folgen für die Umwelt verbunden: der hohe Stickstoff- und Phosporgehalt belastet Wasser und Boden,14 für die Futtermittelproduktion werden große Mengen an Wasser verbraucht, der Anbau von Futtermitteln und die Gülle setzen Klimagase frei.


  1. http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z/hintergrund/masthuehnerleben.html 

  2. http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z/hintergrund/masthuehnerleben.html 

  3. http://www.huehner-info.de/infos/nt_alter.php; http://de.wikipedia.org/wiki/Haushuhn 

  4. http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z/hintergrund/masthuehnerleben.html 

  5. http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z/hintergrund/masthuehnerleben.html 

  6. http://albert-schweitzer-stiftung.de/tierschutzinfos/massentierhaltung/huehnermast?gclid=CMrzzOqYmLkCFTPItAodVXgASA 

  7. http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/20120108_landwirtschaft_fleischprobenanalyse_fragen_antworten.pdf, Seite 1 

  8. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/news/regierung-will-einsatz-reduzieren-jedes-zweite-haehnchen-mit-antibiotika-belastet_aid_700692.html 

  9. http://www.tierrechte.de/themen/landwirtschaftliche-intensivtierhaltung/masthuehner/interview-gefluegelmast-und-deren-auswirkungen-auf-tier-mensch-und-umwelt 

  10. http://www.die-tierfreunde.de/wissen-a-z/hintergrund/masthuehnerleben.html 

  11. http://www.focus.de/gesundheit/ratgeber/medikamente/news/regierung-will-einsatz-reduzieren-jedes-zweite-haehnchen-mit-antibiotika-belastet_aid_700692.html 

  12. http://www.bund.net/fileadmin/bundnet/pdfs/landwirtschaft/20120108_landwirtschaft_fleischprobenanalyse_fragen_antworten.pdf, Seite 1 

  13. http://www.buendnis-mut.de/hunger.html 

  14. http://www.urgeschmack.de/wahnsinn-industrielle-haehnchenmast/